Swisscanto Blog - Märkte, Trends & Meinungen

Billiges Geld gegen die Jugendarbeitslosigkeit?

Janet Yellen ist nicht zu beneiden. Als neue Vorsitzende der US-Notenbank hat sie das Ruder inmitten eines der grössten geldpolitischen Experimente der Geschichte übernommen. Die verbale Steuerung der Finanzmärkte droht die Anleger aber mehr zu verwirren als zu beruhigen. Prompt schreckte Frau Yellen an ihrer ersten Pressekonferenz als US-Notenbankchefin die Marktteilnehmer auf. Durch eine unbedachte Äusserung liess sie die Erwartung aufkommen, dass die Zinsen womöglich früher angehoben würden als erwartet. Im am 9. April veröffentlichten Sitzungsprotokoll hat die Fed dann den Ton wieder besser getroffen, wie der Tagesverlauf der 10-Jahreszinsen in den USA zeigt.

 

Grafik 1: Fallende Zinsen nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls

Grafik 1 Fallende Zinsen nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls

Quelle: Bloomberg

 

Trotzdem benötigt die US-Notenbank weiterhin sehr viel Fingerspitzengefühl. Der Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik bleibt eine Gratwanderung und zu allem Überfluss sendet der US-Arbeitsmarkt sehr widersprüchliche Signale aus. So liegt die Arbeitslosenrate mittlerweile bei 6.7% und damit nicht mehr weit von der neutralen, nicht inflationstreibenden Quote entfernt. Zudem signalisieren die Unternehmen, dass es immer schwieriger wird, offene Stellen zu besetzen. Der entsprechende Wert liegt bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau.

 

Grafik 2: US-Unternehmen haben immer mehr Mühe, offene Stellen zu besetzen

Grafik 2 US Unternehmen haben immer mehr Mühe, offene Stellen zu besetzen

 

Arbeitslosenrate und Unternehmensumfragen zeichnen also ein viel versprechendes Bild des US-Arbeitsmarktes. Gleichzeitig ist aber die Erwerbsquote deutlich gefallen und liegt immer noch mehrere Prozentpunkte unter dem Vorkrisenniveau. Der Grund dafür ist, dass viele Menschen schlicht aufgegeben haben, nach einer Stelle zu suchen. Weil die Baby-Boomer-Generation sich anschickt, in Rente zu gehen, könnte man annehmen, dass die Erwerbsquote vor allem deshalb gesunken ist, weil sich viele entschlossen haben, in Frührente zu gehen.

 

Grafik 3 belegt, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil. Der Anteil der über 55-Jährigen, welcher weiter arbeitet, ist sogar gestiegen. Dieser Trend hat allerdings bereits vor der Finanzkrise eingesetzt. Der grösste Einbruch hat sich bei den 16- bis 24-Jährigen ereignet. 2008 ist die Erwerbsquote der unter 24-Jährigen deutlich gefallen und verharrt seither auf tiefem Niveau.

 

Grafik 3: Junge Menschen als Leidtragende der Finanzkrise

Grafik 3 Junge Menschen als Leidtragende der Finanzkrise

 

Diese Entwicklung lässt sich sicher teilweise dadurch erklären, dass junge Menschen sich angesichts eines schwierigen Umfeldes entscheiden, länger in der Ausbildung zu verbleiben. Dass die Erwerbsquote aber trotz positiver Signale vom Arbeitsmarkt seit Jahren nicht ansteigt, ist bedenklich. Je länger junge Menschen nicht in den Arbeitsmarkt eintreten können, desto grösser ist die Gefahr, dass sie dies nie mehr schaffen. Den USA droht vielleicht nicht gerade eine verlorene Generation, aber doch eine demografische Herausforderung. Ob billiges Geld hier wirklich die richtige Massnahme ist, bleibt fraglich. Aber für die US-Notenbank ist es Grund genug, die extrem expansive Geldpolitik auf absehbare Zeit weiterzuführen.

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Russischer Bär ≠ Bärenmarkt? Auswirkungen der harten Wirtschaftssanktionen

Der russische Aktienmarkt hat aufgrund der Krimkrise seit Jahresanfang rund 16 Prozent (gemessen in US-Dollar) verloren und ist nach dem ukrainischen Aktienmarkt der weltweit schlechteste Aktienmarkt. Grafik 1 zeigt die Bewertung des MSCI Russland Index, wenn man IBES-Gewinnschätzungen zu Grunde legt. Die geschätzte Unterbewertung beträgt aktuell aufgrund der jüngsten Kursrückschläge rund 29 Prozent. Anmerkung: Aufgrund der kurzen Historie kann die Unterbewertung wesentlich weniger präzise als bei den entwickelten Märkten geschätzt werden. Eine Skizzierung der Berechnungsmethodik findet sich in einem früheren Blogpost von mir.

 

Grafik 1: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (IBES Gewinnprognosen) rund 29 Prozent unterbewert

Grafik 1: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (IBES Gewinnprognosen) rund 29 Prozent unterbewert

Quelle: Datastream, eigene Modellberechnungen

 

Grafik 2 zeigt, dass die geschätzte Unterbewertung noch höher ist, wenn man mit Trendgewinnen statt mit prognostizierten Gewinnen rechnet. Auch hier gilt die Warnung, dass aufgrund der kurzen Historie, die Schätzungen mit erhöhter Vorsicht interpretiert werden müssen.

 

Grafik 2: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (Trendgewinnen) rund 35 Prozent unterbewertet

Grafik 2: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (Trendgewinnen) rund 35 Prozent unterbewertet

Quelle: Datastream, eigene Modellberechnungen

 

Grafik 3 zeigt die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für Schwellenländer im Vergleich. Der Russische Aktienmarkt ist mit Abstand derjenige mit dem tiefsten Kurs-Gewinn-Verhältnis.

 

Grafik 3: Russland zeigt unter den Schwellenländern tiefstes Kurs-Gewinn-Verhältnis

Grafik 3: Russland zeigt unter den Schwellenländern tiefstes Kurs-Gewinn-Verhältnis

Quelle: Bloomberg

 

Die Dividendenrendite des russischen Aktienmarktes dürfte bei einem Pay-Out-Ratio von 20 Prozent in der Nähe von 4 Prozent liegen. Dies bedeutet zweierlei: Erstens ist die Dividendenrendite gut abgesichert, zweitens ist diese wesentlich höher als diejenige des Weltaktienmarktes oder des MSCI Emerging Market Index.

 

Führt man eine Kaufkraftparitätenanalyse durch, ergibt sich das in Abbildung 4 dargestellte Modell. Es ist derzeit keine Überbewertung des Russischen Rubels erkennbar.

 

Exkurs: Die Berechnung eines Kaufkraftparitäten-Modelles für den Russischen Rubel gestaltet sich schwierig, da der reale Wechselkurs Einheitswurzeln enthält, mit anderen Worten nicht stationär ist, und somit die Standardmethode, bei der ein konstanter realer Wechselkurs angenommen wird, nicht anwendbar ist. Adjustiert man die Berechnungsmethode und akzeptiert einen nicht konstanten realen Wechselkurs, kann man das in Grafik 4 dargestellte Kaufkraftparitäten-Modell für US-Dollar gegen Rubel errechnen:

 

Grafik 4: Pragmatisches Kaufkraftparitäten-Modell zeigt faire Bewertung für den USD/RUB an

Grafik 4: Pragmatisches Kaufkraftparitäten-Modell zeigt faire Bewertung für den USD/RUB an

Quelle: Datastream, eigene Modellberechnungen

 

Die bisherigen Wirtschaftssanktionen des Westens zeigen bereits erste Auswirkungen

Aufgrund der notorischen Schwierigkeit einer gemeinsamen Linie der 28 EU-Mitgliedsstaaten und der Tatsache, dass über ein Drittel der deutschen Energieexporte aus Russland bezogen werden, dürften noch schärfere Sanktionen eher unwahrscheinlich sein, solange keine Invasion in die östlichen Gebiete der Ukraine erfolgt, zumal die bisherigen Wirtschaftssanktionen des Westens bereits erste Auswirkungen zeigen und so die Verhandlungsbereitschaft Russlands enorm erhöhen dürften: http://www.badische-zeitung.de/meinung-1/karikatur-xn3hvroyx

 

Swisscanto hat die Kursrückgänge genutzt, um gezielt Positionen in russischen Aktien aufzubauen.

 

Und dies noch:

Das Risiko der vollständigen Invasion der Ukraine ist aufgrund der Parteiname  Darth Vaders etwas geringer geworden. Allein eine Vergleichsanalyse der intergalaktischen Luftstreitkräfte möge das Kräfteverhältnis verdeutlichen, da Russland ausser ein paar Interkontinentalraketen keinen einzigen einsatzfähigen Raumgleiter besitzt und somit den Kampf jenseits der Erdanziehungskraft unter keinen Umständen gewinnen kann. Es ist uns gelungen die Abhörprotokolle der NSA abzuhören und die ersten Massnahmen Darth Vaders zu entschlüsseln. Der Versuch, die Nachricht, wahrscheinlich inspiriert durch die Codetalkers durch starkes Schwäbeln abhörsicher zu machen, ist jedenfalls gründlich misslungen.

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Europäische Aktien bleiben favorisiert – die einst krisengebeutelte Peripherie rückt in den Fokus

Am 17. Januar 2013 hatte ich Ihnen geschrieben, dass der Supertanker Europa gedreht hat – und dass die Ampeln sowohl für den Weltaktienmarkt wie auch für Europa auf Grün stünden.

 

Dies ist auch heute noch der Fall. Der Supertanker Weltaktienmarkt hat gemessen am MSCI World Index (Indexstand 100 am 31.12.1969) mittlerweile die Höchststände aus dem Jahr 2007 erreicht (Grafik 1). Der Trend ist weiterhin positiv, gestützt vor allem durch den amerikanischen Aktienmarkt – aber auch durch die Entwicklung in Europa. Die Schwellenländermärkte dagegen schwächeln deutlich. In den letzten Monaten sind die Aktienmärkte allerdings etwas volatiler und auch nachrichtensensitiver geworden. Dies dürfte sich fortsetzen, so dass die Nerven der Anleger wieder vermehrt strapaziert werden.

 

Grafik 1: Entwicklung des MSCI World Index in USD (Quelle: Bloomberg) 

Grafik 1: Entwicklung des MSCI World Index in USD (Quelle: Bloomberg)

Der Euro Stoxx 50 Index (Grafik 2) hat mittlerweile die Kursspitzen von 2009 und 2011 erreicht, ist aber noch deutlich unter den Kursen von 2007 respektive 2000. Der europäische Aktienmarkt ist immer noch die einzige Region, die eine Unterbewertung aufweist. Deshalb sollte der Grossteil des Übergewichtes des Aktienanteils aus Europa kommen. 

 

Grafik 2: Performance europäischer Aktienmärkte in % per 21.3.2014 (Quelle: Bloomberg)

Grafik 2: Performance europäischer Aktienmärkte in % per 21.3.2014 (Quelle: Bloomberg)

Erfreulich ist auch die Entwicklung der Aktienmärkte der südlichen Länder. Sie führen die Performance-Rangliste im Jahre 2014 und in den letzten 6 Monaten an (Grafik 3).

 

Grafik 3: Performance europäischer Aktienmärkte in % per 21.3.2014 (Quelle: Bloomberg)  

Grafik 3: Performance europäischer Aktienmärkte in % per 21.3.2014 (Quelle: Bloomberg)

Wenn Sie vom weiteren Potenzial der europäischen Märkte profitieren wollen, können Sie das zum Beispiel mit dem Swisscanto (LU) Equity Fund Top Dividend Europe tun. Der Fonds investiert in dividendenstarke Titel in Europa. Die wichtigsten Angaben finden Sie auf dem Factsheet. Bitte informieren Sie sich aber bei Ihrem Kundenberater, ob der Fonds für Sie im Rahmen Ihrer Anlagestrategie und Ihrer Risikofähigkeit und -bereitschaft geeignet ist,  und welche Tranche für Sie bezüglich Kosten und Steuern optimal ist. 

Was Sie noch wissen müssen: Das durchschnittliche P/E-Ratio auf Basis der geschätzten Gewinne für 2014 für den Fonds beträgt derzeit rund 14.5, die durchschnittliche Dividendenrendite des Portfolios 3.5 %. Übrigens: Diesen Fonds halte ich selber auch in meinem Portfolio.

 

Grafik 4 zeigt den Performancevergleich mit dem Euro Stoxx 50 seit dem 31.12.2008 (der SWLTDEB LX Equity – die weisse Linie – zeigt den Fonds; der SX5E Index – die orange Linie den Index Euro Stoxx 50; die Differenz zwischen dem “Price Change” und dem “Total Return” sind die angefallenen Dividenden. Die orange Linie “SWLTDEB LX Equity” ist der Swisscanto (LU) Equity Fund Top Dividend, die thesaurierende Tranche B). Sie sehen: Es gibt auch Produkte, die besser sind als die ETFs auf die Standard-Indizes, auch wenn viele ständig das Gegenteil predigen.

 

Grafik 4: Vergleich Swisscanto (LU) Equity Fund Top Dividend B mit dem Euro Stoxx 50 Index (Quelle: Bloomberg)

Grafik 4: Vergleich Swisscanto (LU) Equity Fund Top Dividend B mit dem Euro Stoxx 50 Index (Quelle: Bloomberg)

 Die vergangene Performance ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und bietet keine Garantie für einen Erfolg in der Zukunft. Die Performancedaten wurden auf der Basis der Wiederanlage etwaiger Ausschüttungen und ohne Berücksichtigung der bei Ausgabe und Rücknahme der Anteile erhobenen Kommissionen und Kosten, welche sich negativ auf die Performance auswirken, berechnet. Die Berechnung erfolgt in der Fondswährung und kann infolge von Wechselkursschwankungen steigen oder fallen.

 

 

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