Swisscanto Blog - Märkte, Trends & Meinungen

Wasserknappheit: Risiken und Opportunitäten für Investoren

Am 31. März 2014 hat der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in Japan seinen neuesten Bericht vorgestellt. Die Botschaft des IPCC-­Berichts ist eindeutig: Die Klimaerwärmung ist Realität. Ihre Auswirkungen sind bereits heute spürbar. Viele Gletscher sind zurückgeschmolzen, was mancherorts die Wasserkreisläufe verändert und zu Wassermangel führen kann. Dürren und strukturelle regionale Wasserknappheit werden sich bei einer weiteren Klimaerwärmung häufen. Für Investoren stellt sich die Frage, ob drohende Dürren oder strukturelle Wasserknappheit ein zusätzliches Risiko und/oder neue Investmentopportunitäten darstellen, die bereits heute bei Investitionen berücksichtigt werden sollten und können.

 

Gegenwärtig gibt Brasilien ein anschauliches Beispiel, welche Investitionsrisiken mit Dürren einhergehen. Weite Teile von Brasilien werden zurzeit von einer der schlimmsten Dürren seit Jahrzehnten heimgesucht. Die Pegel der Stauseen sind bereits am unteren Limit; die Gewährleistung einer sicheren Strom­ und Trinkwasserversorgung gerät in Gefahr. Nun droht eine Stromrationierung, da Brasilien drei Viertel seines Stroms mit Wasserkraft erzeugt. Für Investoren ergibt sich Ungemach gleich in mehreren Bereichen: Bei einer Stromrationierung kommt es unmittelbar zu Gewinneinbrüchen bei den Stromversorgern und zu einer Drosselung der Industrieproduktion. Die Landwirtschaft leidet unter Ernteausfällen. In der Folge leiden Banken unter tieferem Kreditwachstum aufgrund der schwächelnden Wirtschaft.

 

Mittelfristig droht besonders wasserineffizienten Unternehmen in wasserarmen Regionen das Aus. Bei begrenzten Wasservorräten werden nur jene Unternehmen den Zugang zum Wasser bekommen, die mit der Ressource die grösste Wertschöpfung erzielen. Dieses Thema wird insbesondere beim wasserintensiven Bergbau relevant werden, da sich viele Kupfer­ oder Goldminen in extrem trockenen Regionen befinden. Bei der Stromversorgung haben in trockenen Regionen Wind­ und Solarenergie einen Vorteil, da ihre Stromerzeugung im Gegensatz zu thermischen Kraftwerken ohne Wasser erfolgt.

 

Drohende Dürren oder strukturelle Wasserknappheit sind aber auch Investmentopportunitäten. Beim Zugang zu knappen Wasserressourcen werden jene Unternehmen einen Vorteil haben, die das Wasser besonders effizient einsetzen.

 

(Dieser Beitrag erscheint im Mai ebenfalls in unserer Publikation PortFOLIO).

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Billiges Geld gegen die Jugendarbeitslosigkeit?

Janet Yellen ist nicht zu beneiden. Als neue Vorsitzende der US-Notenbank hat sie das Ruder inmitten eines der grössten geldpolitischen Experimente der Geschichte übernommen. Die verbale Steuerung der Finanzmärkte droht die Anleger aber mehr zu verwirren als zu beruhigen. Prompt schreckte Frau Yellen an ihrer ersten Pressekonferenz als US-Notenbankchefin die Marktteilnehmer auf. Durch eine unbedachte Äusserung liess sie die Erwartung aufkommen, dass die Zinsen womöglich früher angehoben würden als erwartet. Im am 9. April veröffentlichten Sitzungsprotokoll hat die Fed dann den Ton wieder besser getroffen, wie der Tagesverlauf der 10-Jahreszinsen in den USA zeigt.

 

Grafik 1: Fallende Zinsen nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls

Grafik 1 Fallende Zinsen nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls

Quelle: Bloomberg

 

Trotzdem benötigt die US-Notenbank weiterhin sehr viel Fingerspitzengefühl. Der Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik bleibt eine Gratwanderung und zu allem Überfluss sendet der US-Arbeitsmarkt sehr widersprüchliche Signale aus. So liegt die Arbeitslosenrate mittlerweile bei 6.7% und damit nicht mehr weit von der neutralen, nicht inflationstreibenden Quote entfernt. Zudem signalisieren die Unternehmen, dass es immer schwieriger wird, offene Stellen zu besetzen. Der entsprechende Wert liegt bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau.

 

Grafik 2: US-Unternehmen haben immer mehr Mühe, offene Stellen zu besetzen

Grafik 2 US Unternehmen haben immer mehr Mühe, offene Stellen zu besetzen

 

Arbeitslosenrate und Unternehmensumfragen zeichnen also ein viel versprechendes Bild des US-Arbeitsmarktes. Gleichzeitig ist aber die Erwerbsquote deutlich gefallen und liegt immer noch mehrere Prozentpunkte unter dem Vorkrisenniveau. Der Grund dafür ist, dass viele Menschen schlicht aufgegeben haben, nach einer Stelle zu suchen. Weil die Baby-Boomer-Generation sich anschickt, in Rente zu gehen, könnte man annehmen, dass die Erwerbsquote vor allem deshalb gesunken ist, weil sich viele entschlossen haben, in Frührente zu gehen.

 

Grafik 3 belegt, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil. Der Anteil der über 55-Jährigen, welcher weiter arbeitet, ist sogar gestiegen. Dieser Trend hat allerdings bereits vor der Finanzkrise eingesetzt. Der grösste Einbruch hat sich bei den 16- bis 24-Jährigen ereignet. 2008 ist die Erwerbsquote der unter 24-Jährigen deutlich gefallen und verharrt seither auf tiefem Niveau.

 

Grafik 3: Junge Menschen als Leidtragende der Finanzkrise

Grafik 3 Junge Menschen als Leidtragende der Finanzkrise

 

Diese Entwicklung lässt sich sicher teilweise dadurch erklären, dass junge Menschen sich angesichts eines schwierigen Umfeldes entscheiden, länger in der Ausbildung zu verbleiben. Dass die Erwerbsquote aber trotz positiver Signale vom Arbeitsmarkt seit Jahren nicht ansteigt, ist bedenklich. Je länger junge Menschen nicht in den Arbeitsmarkt eintreten können, desto grösser ist die Gefahr, dass sie dies nie mehr schaffen. Den USA droht vielleicht nicht gerade eine verlorene Generation, aber doch eine demografische Herausforderung. Ob billiges Geld hier wirklich die richtige Massnahme ist, bleibt fraglich. Aber für die US-Notenbank ist es Grund genug, die extrem expansive Geldpolitik auf absehbare Zeit weiterzuführen.

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Russischer Bär ≠ Bärenmarkt? Auswirkungen der harten Wirtschaftssanktionen

Der russische Aktienmarkt hat aufgrund der Krimkrise seit Jahresanfang rund 16 Prozent (gemessen in US-Dollar) verloren und ist nach dem ukrainischen Aktienmarkt der weltweit schlechteste Aktienmarkt. Grafik 1 zeigt die Bewertung des MSCI Russland Index, wenn man IBES-Gewinnschätzungen zu Grunde legt. Die geschätzte Unterbewertung beträgt aktuell aufgrund der jüngsten Kursrückschläge rund 29 Prozent. Anmerkung: Aufgrund der kurzen Historie kann die Unterbewertung wesentlich weniger präzise als bei den entwickelten Märkten geschätzt werden. Eine Skizzierung der Berechnungsmethodik findet sich in einem früheren Blogpost von mir.

 

Grafik 1: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (IBES Gewinnprognosen) rund 29 Prozent unterbewert

Grafik 1: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (IBES Gewinnprognosen) rund 29 Prozent unterbewert

Quelle: Datastream, eigene Modellberechnungen

 

Grafik 2 zeigt, dass die geschätzte Unterbewertung noch höher ist, wenn man mit Trendgewinnen statt mit prognostizierten Gewinnen rechnet. Auch hier gilt die Warnung, dass aufgrund der kurzen Historie, die Schätzungen mit erhöhter Vorsicht interpretiert werden müssen.

 

Grafik 2: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (Trendgewinnen) rund 35 Prozent unterbewertet

Grafik 2: Russische Aktien gemäss Bewertungsmodell (Trendgewinnen) rund 35 Prozent unterbewertet

Quelle: Datastream, eigene Modellberechnungen

 

Grafik 3 zeigt die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für Schwellenländer im Vergleich. Der Russische Aktienmarkt ist mit Abstand derjenige mit dem tiefsten Kurs-Gewinn-Verhältnis.

 

Grafik 3: Russland zeigt unter den Schwellenländern tiefstes Kurs-Gewinn-Verhältnis

Grafik 3: Russland zeigt unter den Schwellenländern tiefstes Kurs-Gewinn-Verhältnis

Quelle: Bloomberg

 

Die Dividendenrendite des russischen Aktienmarktes dürfte bei einem Pay-Out-Ratio von 20 Prozent in der Nähe von 4 Prozent liegen. Dies bedeutet zweierlei: Erstens ist die Dividendenrendite gut abgesichert, zweitens ist diese wesentlich höher als diejenige des Weltaktienmarktes oder des MSCI Emerging Market Index.

 

Führt man eine Kaufkraftparitätenanalyse durch, ergibt sich das in Abbildung 4 dargestellte Modell. Es ist derzeit keine Überbewertung des Russischen Rubels erkennbar.

 

Exkurs: Die Berechnung eines Kaufkraftparitäten-Modelles für den Russischen Rubel gestaltet sich schwierig, da der reale Wechselkurs Einheitswurzeln enthält, mit anderen Worten nicht stationär ist, und somit die Standardmethode, bei der ein konstanter realer Wechselkurs angenommen wird, nicht anwendbar ist. Adjustiert man die Berechnungsmethode und akzeptiert einen nicht konstanten realen Wechselkurs, kann man das in Grafik 4 dargestellte Kaufkraftparitäten-Modell für US-Dollar gegen Rubel errechnen:

 

Grafik 4: Pragmatisches Kaufkraftparitäten-Modell zeigt faire Bewertung für den USD/RUB an

Grafik 4: Pragmatisches Kaufkraftparitäten-Modell zeigt faire Bewertung für den USD/RUB an

Quelle: Datastream, eigene Modellberechnungen

 

Die bisherigen Wirtschaftssanktionen des Westens zeigen bereits erste Auswirkungen

Aufgrund der notorischen Schwierigkeit einer gemeinsamen Linie der 28 EU-Mitgliedsstaaten und der Tatsache, dass über ein Drittel der deutschen Energieexporte aus Russland bezogen werden, dürften noch schärfere Sanktionen eher unwahrscheinlich sein, solange keine Invasion in die östlichen Gebiete der Ukraine erfolgt, zumal die bisherigen Wirtschaftssanktionen des Westens bereits erste Auswirkungen zeigen und so die Verhandlungsbereitschaft Russlands enorm erhöhen dürften: http://www.badische-zeitung.de/meinung-1/karikatur-xn3hvroyx

 

Swisscanto hat die Kursrückgänge genutzt, um gezielt Positionen in russischen Aktien aufzubauen.

 

Und dies noch:

Das Risiko der vollständigen Invasion der Ukraine ist aufgrund der Parteiname  Darth Vaders etwas geringer geworden. Allein eine Vergleichsanalyse der intergalaktischen Luftstreitkräfte möge das Kräfteverhältnis verdeutlichen, da Russland ausser ein paar Interkontinentalraketen keinen einzigen einsatzfähigen Raumgleiter besitzt und somit den Kampf jenseits der Erdanziehungskraft unter keinen Umständen gewinnen kann. Es ist uns gelungen die Abhörprotokolle der NSA abzuhören und die ersten Massnahmen Darth Vaders zu entschlüsseln. Der Versuch, die Nachricht, wahrscheinlich inspiriert durch die Codetalkers durch starkes Schwäbeln abhörsicher zu machen, ist jedenfalls gründlich misslungen.

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