Swisscanto Blog - Märkte, Trends & Meinungen

“Die Börse ist ein Casino” – eben nicht!

Ab und zu werde ich von Bekannten oder Freunden auf meine Meinung zu Börsen und Märkten angesprochen. Einige sagen offen, dass sie nichts von Aktien verstehen. Nennen wir diese Person den Anti-Investor. Dazu aber später mehr.

 

Schon oft habe ich den Spruch Die Börse ist doch ein reines Casino gehört. Diese Aussage, die sich bei einigen Anlegern offenbar eingebrannt hat, ärgert mich jeweils. Zugegeben: Ich habe schon einige Anleger gesehen, die Geld verloren haben, und nicht alle waren Zocker. Trotzdem will ich diesem Casino-Paradigma einmal auf den Grund gehen, und das mit meinem Lieblingsthema Aktien Schweiz.

 

Was sind die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Casino und Börse? Hier meine ganz persönliche Tabelle:

 

 

Ich möchte den wichtigsten Unterschied, nämlich den Erwartungswert, genauer beleuchten. Beim Aktienmarkt ist der Erwartungswert positiv. Die Unternehmen erzielen im Durchschnitt Gewinne, die in Form von Dividenden und/oder Kurssteigerungen den Aktionären zugute kommen. Eine wichtige Kennzahl dafür ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Es besagt, wie viele Jahre es dauert, bis man seine Investition (den Kurs einer Aktie) zurück erhält unter der Annahme, dass die Gewinne gleich bleiben wie in der zugrunde liegenden Rechnungs- resp. Schätzperiode. Mit zunehmendem Anlagehorizont steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Ertrag positiv ist. Auf einen Tag, eine Woche oder einen Monat hinaus ist die Wahrscheinlichkeit, einen Gewinn zu erzielen, nahezu gleich hoch, wie beim Münzen werfen.

 

Beim Spielen in einem Casino ist der Erwartungswert grundsätzlich negativ.

 

Der Erwartungswert ist ein wichtiges Konzept der Wahrscheinlichkeitstheorie und steht in enger Verbindung zum Hausvorteil oder Bankvorteil. Der Erwartungswert ist ein gewichteter Durchschnitt aller möglichen Ergebnisse, mit dem man seine langfristigen Resultate in jedem Casino-Spiel berechnen kann. In einem Casino haben alle Spiele grundsätzlich einen negativen Erwartungswert für den Spieler (und umgekehrt einen positiven für das Casino – deshalb verdienen diese so viel Geld. Das Casino bezahlt davon die Angestellten, die Steuern, die Dividenden für die Aktionäre).

 

Nehmen wir als Beispiel Roulette. Ein negativer Erwartungswert bedeutet, dass die Gesamtheit aller Spieler, wie die folgende Berechnung zeigt, langfristig Geld verliert.

 

Nehmen wir an, Sie setzen beim Roulette CHF 10 auf Schwarz. Sie gewinnen also immer dann, wenn die Kugel auf eine der 18 schwarzen Zahlen fällt und verlieren, wenn sie auf den 18 roten Zahlen anhält und – das ist wichtig – auf der grünen Null. Sie haben also 18 Chancen, Ihr Geld zu verdoppeln und 19 Chancen, das ganze Geld zu verlieren.

 

Die erwartete Rendite für Ihren Einsatz von CHF 10 ist also (18/37) * 10 + (19/37) * (-10) = – 0,27027. Gerundet verlieren Sie also mit dem Setzen auf eine Farbe rund 27 Rappen pro Einsatz – und dieses Gesetz gilt natürlich, weil ganz viele Spieler ganz viele Spiele spielen. Eine recht hohe Rendite für ein Casino: Wenn ein Spiel mit dem Setzen, dem Rollen der Kugel, dem Auszahlen eine Minute dauert, verdient das Casino beim Roulette in einer Minute systematisch 2.7% der Einsätze – seien Sie sich dessen bewusst, wenn Sie das Casino betreten. Auch der zumeist angenehmen Atmosphäre in Casinos vermag ich nichts abzugewinnen. Zu sehr hasse ich es, systematisch zu verlieren.

 

Jetzt zu einem langfristig positiven Game – weil es einen systematisch positiven Erwartungswert hat: Schweizer Aktien. Wenn ich den völligen Anti-Anleger frage, welches seiner Meinung nach die besten Schweizer Aktien seien, so höre ich oft Nestlé, Roche, Novartis.

 

Lassen Sie uns zurückblicken auf ein ganzes Investorenleben, also z. B. auf die vergangenen 25 Jahre vom 1.1.1990 – 31.12.2014.

 

In diesen 25 Jahren hat der Swiss Performance Index (SPI) eine Gesamtperformance von 678.37% oder pro Jahr im Durchschnitt 8.55% erzielt – grundsätzlich kann man damit natürlich zufrieden sein. Der Anti-Anleger hat mit seinen gefühlsmässig besten Aktien der Schweiz noch besser abgeschnitten: Mit Nestlé hat er eine Performance von 1392% erreicht oder 11.41% pro Jahr. Die Preisänderung hat eine Performance von 740.92% gebracht, die Dividenden eine solche von 651.14%. Schon aus diesem Beispiel erkennen Sie die Bedeutung der Dividenden auf den Aktien. Noch besser waren Roche Genussscheine: Eine Gesamtperformance von 2337.18% oder 13.61% pro Jahr. Zum Vergleich: Der Börsenstar Warren Buffet verdiente mit seinem Vehikel Berkshire Hathaway A gemessen in CHF 1580.27% oder 11.94% pro Jahr. Mit den besten Schweizer Aktien verdiente also der Anti-Investor gleich viel wie das Anlage-Genie Warren Buffet. Hier die Tabelle:

 

Quelle: Bloomberg

 

 

Wenn Sie das im Voraus gewusst hätten, dann wären für Sie die erheblichen Schwankungen der Schweizer Börse viel leichter zu ertragen gewesen. Denn: Um diese tollen Durchschnittsrenditen zu erzielen, musste ein Investor bereit sein, zwischendurch auch grössere Rückschläge hinzunehmen, wie folgende Grafik für den SPI-Index zeigt:

 

Quelle: Bloomberg, Monatsdaten

Quelle: Bloomberg, Monatsdaten

 

Als Beispiel verlor ein Anleger, der zum damaligen Höchst am 31.8.2000 einstieg, bis zum Tiefst im März 2003 rund die Hälfte seines Vermögens. Vom Höchst im Mai 2007 bis zum Tiefst im Februar 2009 betrug der maximale Rückschlag ebenfalls fast 50%.

 

Welches Erfolgsrezept können Sie mitnehmen, um im Casino Aktien Schweiz erfolgreich zu sein? Wenn Sie nicht einfach dem Anti-Anleger folgen wollen, hier meine ganz persönlichen Tipps:

 

  1. Eine professionelle Finanzplanung soll die Basis für alle Anlageentscheide sein. Die Optimierung von Steuern unter Berücksichtigung aller individueller Faktoren ist garantierte Performance.
  2. Die langfristige Anlagestrategie wird aus der Finanzplanung abgeleitet. Sie wird regelmässig überprüft.
  3. Durch Diversifikation und korrekte Auswahl der eingesetzten Instrumente werden Fehler vermieden.
  4. Für einen Schweizer Investor sind Schweizer Qualitätsaktien eine Kernanlage. Sie erzielen über die Zeit eine ausgezeichnete Rendite.
  5. Ein leicht antizyklisches Verhalten ist nützlich. Kaufen nach starken Einbrüchen (z. B. > 30%) und Verkaufen in der Euphorie erhöht die Wahrscheinlichkeit, die erwarteten Renditen auch tatsächlich zu erzielen.

 

Dies war mein letzter Blogpost für die Swisscanto. Ich danke allen meinen Lesern für das Interesse, den Anlegern für das Vertrauen in unsere Produkte und wünsche Ihnen bei Ihren Investitionen viel Erfolg.

Posted in: Märkte, Meinung
Keine Kommentare / Kommentar schreiben

Trau, schau, wem! Investieren in direkte oder indirekte Immobilienanlagen?

Wer die inländische Zinslandschaft unter die Lupe nimmt, stellt eine endlose Tiefebene fest. Nur für wenige Spareinlagen wie Jugendsparhefte gibt es über 1% Zinsen. Auch im Bereich der Obligationen werden kaum nennenswerte Verzinsungen angeboten. Wem Aktienanlagen ein zu hohes Risiko darstellen oder wer bereits entsprechend investiert ist, greift auf Immobilien zurück. So stellt sich für viele private Anleger die Frage nach einem Erwerb eines Blöcklis zur Altersvorsorge als direkte Investition in Grundeigentum. Die historisch tiefen Refinanzierungsmöglichkeiten und die hohe Verfügbarkeit von Hypotheken lassen die Eigenkapitalrenditen gegenüber den Anlagen in Immobilienfonds oder Immobilen Aktiengesellschaften, mindestens kurzfristig, in die Höhe schnellen.

 

Doch auch eine direkte Immobilienanlage setzt sich stets aus drei Komponenten zusammen: Ertrag oder Rendite, Verfügbarkeit oder Liquidität und Risiko oder Verlustwahrscheinlichkeit. Wenn direkte Immobilienanlagen also eine höhere Rendite versprechen, müssen gewichtige Nachteile in Kauf genommen werden. Falls das geeignete Objekt nach langer Suche endlich identifiziert ist, fallen beim Erwerb entsprechende Transaktionskosten in Form von Steuern, Gebühren und Honoraren an. Zudem werden die Kosten für Unterhalt, zukünftige Sanierungen, den Betrieb oder auch für Mietzins- und Ertragsausfälle meist massiv unterschätzt und lassen die Freude an der anfänglichen Rendite schnell verblassen. Das fehlende Know-How gepaart mit der Unvollkommenheit der Immobilienmärkte wird zur Renditefalle. Zusätzlich binden direkte Immobilieninvestitionen meist sehr viel Eigenkapital und werden zu einem Klumpenrisiko im Anlageportfolio des Privatanlegers.

 

Als Alternative bieten sich daher die Investitionen in eine indirekte Immobilieninvestition in Form von Fonds oder Aktiengesellschaften mit den unterschiedlichsten regionalen und sektoralen Ausrichtungen an. Schon mit geringem finanziellen Aufwand können Anteile von breit diversifizierten Portfolios erworben werden. Der Anleger nutzt also einen Finanzintermediär, der, in Form von Anlagegefässen, zwischen die Immobilie und den Investor tritt. Die individuellen Fähigkeiten des Intermediärs bestimmen in welchem Masse er in seiner Funktion dem Anleger von Nutzen ist. Anstelle der Suche nach der besten Immobilie bei direkten Anlagen tritt also hier die Suche nach dem besten Investmentmanager in den Vordergrund. Diesem stehen verschiedene Mittel zur Beeinflussung der Performance zur Verfügung: Buchhaltungstricks, eine Erhöhung des Risikos oder die Entwicklung und Pflege bestimmter Investment-Managementqualitäten. Nur die letzte verspricht eine seriöse und nachhaltige (Über)Performance. Das optimale Ergebnis tritt ein, wenn eine Übereinstimmung von Managementfähigkeiten mit dem Immobilienbestand gegeben ist. Mindestens sollte die Übereinstimmung besser sein als diejenige der Konkurrenz. Ansatzpunkte finden sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Bezug auf die Mitarbeiterselektion und –motivation, des Research, des Beschaffungs- und Absatzmarketings, des Mietermanagements oder der Fähigkeit zur Objekttransformation.

 

Investmentmanager erbringen ihre Intermediärsfunktion nicht gratis. Es stellt sich die Frage: Wieviel vom generierten Mehrwert schöpft der Intermediär gleich selbst ab? Für den Investor gilt es also zu evaluieren, welcher Intermediär bietet mir nach Abzug aller Aufwendungen und Fees die beste risikoadjustierte Performance an. Steuern, Managementkosten und Leverage sind wesentliche Faktoren, die das Eigenkapital des Anlagegefässes, den Net Asset Values (NAV) beeinflussen. Die Besteuerung der Anlagegefässe und die Rückstellungen für latente Grundstücksgewinnsteuern sind je nach Kanton unterschiedlich geregelt. Aus der Sicht des privaten Anlegers gilt zu beachten, dass die Dividenden der Immobilien- Aktiengesellschaft im Gegensatz zur Ausschüttung aus Fonds mit direktem Immobilienbesitz im Privatvermögen nochmals besteuert wird (Doppelbesteuerung). Doch der grösste Wertetreiber ist nach wie vor die Performance der einzelnen Immobilie, die mit der Managementqualität korreliert. Das Immobilienmanagement spielt daher für die Performance die wesentliche Rolle und zwar unabhängig der Anlageform. Dabei gilt, mit unternehmerischen Kompetenz durch motivierte Mitarbeiter den Cash-Flow der Bestandesliegenschaften zu mehren: Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

 

Posted in: Märkte, Trends
Ein Kommentar / Kommentar schreiben

Überbewertung des Schweizerfrankens nimmt dramatische Ausmasse an & Abschaffung des Bargeldes

Wie folgende Grafik zeigt, nimmt die Überbewertung des Schweizerfrankens gegenüber dem Euro nach der Freigabe des Wechselkurses durch die SNB dramatische Ausmasse an.

 

Grafik 1: Schweizerfranken rund 28% überbewertet

 

Grafik 1 Schweizerfranken überbewertet

Quelle: Datastream, Swisscanto

 

Mit einer geschätzten Überbewertung von fast 30% wird eine noch nie dagewesene Überbewertung erzielt.

 

Aufgrund sogenannter Lowfrequency Margin Calls ist ein weiteres Unterschiessen des Wechselkurses dennoch wahrscheinlich.

 

Nach Freigabe des Wechselkurses mussten kurzfristig nur 85 Rappen für einen Euro bezahlt werden. Das Intraday Unterschiessen wurde im Wesentlichen durch automatische Highfrequency Margin Calls ausgelöst. Bei manchen Brokern können Kunden mit einem Leverage von 1:200 Devisenspekulationen durchführen. Das heisst, mit einem CHF konnte ein Kunde für bis zu 200 CHF Euro für rund 1.21 CHF kaufen. Ab welchem Wechselkurs hat der Spekulant kein Eigenkapital mehr (Lösung später)?

 

Lowfrequency Margin Calls treten beispielsweise auf, wenn ein Kreditnehmer im Euroland sich in Schweizerfranken verschuldet hat, um eine Immobilie zu finanzieren. Ist der Hypothekenkredit unter Wasser findet keine automatische Glattstellung statt (dies ist technisch auch gar nicht möglich), sondern der Kreditnehmer erhält eine gewisse Karenzzeit, innerhalb derer er das Problem lösen muss…

Eben diese Existenz der Lowfrequency Margin Calls könnte ein weiteres Unterschiessen des CHF begünstigen.

 

Mittelfristig dürfte der Eurofranken wieder Werte von rund 1.05-1.15 erreichen, da der Anpassungsdruck auf die Schweizerische Volkswirtschaft gigantische Ausmasse annimmt. Der Abwertungsdruck der aufgrund der enorm verschlechterten Wettbewerbsfähigkeit auf dem CHF lastet, braucht jedoch eine gewisse Zeit. Im Normalfall kann man davon ausgehen, dass Über- und Unterbewertungen von Währungen nur über einem Zeitraum von 3-6 Jahren geschlossen werden. Die Wiederherstellung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit vieler schweizerischer Unternehmungen dürfte also leider einen sehr langen Atem erfordern.

 

Auflösung der Frage: Der Spekulant kaufte annahmegemäss für 200 CHF 165.29 Euro zum Kurs von 1.21 CHF/EUR, obwohl sein Eigenkapital nur 1 CHF betrug.

Welcher Wechselkurs macht aus dem 165.29 Euro einen Gegenwert von 199 CHF? Lösung: 199/165.29=1.20395

Sinkt der Wechselkurs von 1.21 auf 1.20395, was einer minimalen Abwertung von lediglich 50 Basispunkten entspricht, ist das ganze Eigenkapital weg.

 

Wie hoch wäre der Verlust bei einem Wechselkurs von 0.85 Rappen pro Euro gewesen? 165.29 Euro hätten bei einem Wechselkurs von 0.85 Rappen nur noch 140.50 CHF gekauft, die CHF-Nettoschulden würden aber immer noch 199 CHF betragen. Der Verlust betrüge somit 199-140.5=58.5 CHF. Aus dem Eigenkapital von 1 CHF wurde somit eine Schuld von 58.5 CHF. Aus einem Eigenkapital von 1 Million CHF eine Schuld von 58.5 Millionen CHF usw.

 

Und die Moral von der Geschichte? Ein unkontrolliert hoher Leverage ist Gift.

 

Mehr dazu: Warren Buffet über den Einsatz von Leverage.

 

Nun aber zum zweiten Thema. Das zweite Thema ist mit dem ersten Thema verknüpft, da die Beliebtheit des Schweizerfrankens noch mehr gesteigert würde, wenn das zweite Thema in anderen Währungsräumen tatsächlich Realität werden würde, aber die Schweiz standhaft bleiben würde…

 

Abschaffung des Bargeldes

 

Der amerikanische Harvard-Ökonom und ehemalige Chefvolkswirt des internationalen Währungsfonds (IWF) Kenneth Rogoff und der frühere amerikanische Finanzminister Larry Summers möchten das Bargeld abschaffen.

 

Was ist davon zu halten?

 

  • Die Gesellschaft könnte ihre Überwachungsmöglichkeiten ausdehnen. Der Kampf gegen Kriminelle und die Schattenwirtschaft würde vereinfacht. Ein Beispiel: Bankräuber bräuchten in Zukunft eine Top-IT-Ausbildung, da der physische Banküberfall obsolet würde und nur noch der Diebstahl von elektronischem Geld und Realwerten möglich wäre. Bargeld als Blut in den Adern der Kriminalität könnte nicht mehr zirkulieren.

 

 

  • Der Schutz vor staatlicher Willkür verschwindet vollständig. Der Staat kennt jeden einzelnen Zahlungs-, Investitions- und Sparvorgang jedes Untertanen. Er überwacht ständig das Verhalten jedes Nichtstaatsangestellten und aller Staatsdiener, welche entweder hierarchisch zu tief gestellt, oder in Ungnade gefallen sind. Die elektronische Enteignungsabteilung der Mindestkonsum- und Mindestinvestitionspolizei wird ins Leben gerufen. Wird das staatlich verordnete Mindestkonsummuss trotz Negativzins und einmaliger Abmahnung unterschritten, werden automatische Zwangsenteignungen per Knopfdruck vorgenommen.

 

  • Staatliche Ärzte mit Spezialgenehmigungen dürfen allerdings bei bestimmten Krankheitsbildern, welche nicht mit Konsum vereinbar sind, da ein Konsum technisch unmöglich ist (wie z.B. Kommata), sogenannte Nichtkonsumrezepte ausstellen. Im Volksmund werden diese Rezepte Konsumkommata (KK) genannt. Der kriminelle Sektor der hauptsächlich in den Bereichen Bartergeschäfte, Staatsangestelltenbeeinflussung und Ausstellung von KK-Dokumenten tätig ist boomt, erhöht aber aufgrund der Erfassung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auch das Bruttoinlandprodukt und führt zu einer Senkung der Debt/GDP-Ratios.

 

  • Es kommt periodisch zu völlig willkürlichen Zwangsenteignungen im Rahmen der staatlichen Sozialpolitik, der sich niemand, ausser die Entscheidungsträger entziehen kann.

 

  • Und so weiter und so fort…

 

Gott sei Dank lebe ich in der Schweiz, wo das Stimmvolk im Jahre 2500 trotz des elften Versuches, Schweizerfrankenbargeld abzuschaffen, diesen Vorschlag zum 11 Mal ablehnen wird! Der Schweizerfranken wird dann die einzige Währung auf der Welt sein, welche umlaufendes Bargeld in Form von Scheinen und Münzen kennt. Trotzdem wird die Kriminalitätsrate und die Schattenwirtschaft weltweit im Querschnittsvergleich mit allen anderen Nationen Bestwerte erzielen. Die Schweizerfränkli werden dann so beliebt sein, dass Sie überall auf der Erde, auch an den entlegensten Orten gehortet werden. Der Pro-Kopf Gegenwartswert der abdiskontierten Seigniorage Gewinne der SNB überschreiten die 1’000’000 CHF-Grenze.

 

Wie geht es weiter?

 

Die Fakultät für antike Zahlungsmittelarchäologie der Universität Oxford wird im Jahre 3000 den Gebrauch und die Hortung von Schweizerfrankenmünzen auf diversen Weltraumstationen und den ersten Marssiedlungen bis weit in das postfuturistische Zeitalter nachweisen können.

 

Die Existenz des Schweizerfrankens auf dem Mars kann nur durch Externalitäten erklärt werden. Warum? Darum: allein der Brennstoffkostenanteil der gesamten Transportkosten von physischen Schweizerfranken überstiegen bis ins Jahr 2921 bei weitem den Wert des transportierten Bargeldes, obwohl bereits 300 Jahre zuvor der nahezu gewichtslose 1 Trillionen Frankenschein eingeführt worden war. Mit anderen Worten: der gesellschaftliche Nutzen des Bargeldtransportes über 401 Millionen Kilometer war klar negativ, der Privatnutzen von CHF-Bargeld auf dem Mars muss hingegen sehr hoch gewesen sein, da die Strafe für den Transport von nicht autorisiertem Ballast mit Zwangsarbeit in den Marskolonien nicht unter 20 Jahren bestraft wurde und das Risiko entdeckt zu werden bei geschätzten 10% lag.

 

Erst im Jahre 3333 (sehr lange nach der Keilerei) wird es der bereits in 2452 gegründeten Spezialeinheit War against Cash gelingen, den Gebrauch von Bargeld in der Milchstrasse endgültig zu unterbinden: überall, endgültig und für immer! Die ganze Milchstrasse ist von Schweizerfrankenbargeld befreit. Die ganze Milchstrasse? Nur ein einziges Dorf in Gallien verbleibt, welches in den Gallischen Kriegen nicht von den Römern besetzt, sondern weiterhin von Obelix und Asterix,…

 

Endlich, im Jahre 3500 wird die Fakultät VI Archäologische Blogposts des 21. Jahrhunderts der Nichtfreien Universität Irgendwo diesen Beitrag wiederentdecken. Eine neue Nostradamuslegende beginnt. Die posthume Verleihung des kubanischen Preises für ordoliberale Blogposts wird 1485 Jahre zu spät kommen. 1511 Jahre nach der Vernichtung diverser Felix Edmundowitsch Dserschinski-Denkmälern in der Sowjetunion werden die Denkmäler der Bargeldabschaffungsprotagonisten geschleift. Eine neue Ära des Wohlstandes für die Menschheit wird beginnen, die Abschaffung des elektronischen Zwangsgeldes, wird von Historikern mit der Abschaffung der Adelsherrschaft verglichen werden …

 

Nun, Sie halten das Alles für ziemlich übertrieben und abwegig? Vergegenwärtigen Sie sich, dass Bargeldtransaktionen in Italien bereits heute nur noch bis 1000 Euro legal sind. Die Abschaffung des Bargeldes hat somit in gewissem Sinne bereits begonnen…

 

Der Blogpost soll mit einem Zitat des früheren Bundesbank- und EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing enden: Bargeld ist geprägte Freiheit.

 

Wollen wir diese wirklich wieder einmal abschaffen?

Posted in: Meinung, Trends
Ein Kommentar / Kommentar schreiben