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Geld ausgeben macht glücklich

Liebe Blog-Leserinnen und Leser

 

In zwei Wochen ist Weihnachten. Wenn wir uns heute unseren Depotauszug anschauen, freuen wir uns über die entstandenen (Buch-) Gewinne auf praktisch allen Anlagekategorien (ausser Gold, wo Sie meine skeptische Haltung kennen). Aber Geld und Gewinne auf einem Depotauszug machen eigentlich nicht glücklich. Deshalb mein heutiger Tipp: Realisieren Sie einige Gewinne und leisten Sie sich etwas, das auch Ihre Seele erfreut. Sie könnten zum Beispiel einmal meinen Heimatkanton besuchen.

 

Als Schaffhauser wohne ich im so genannten kleinen Paradies. Der Rhein und der Randen bieten dem Naturfreund Erholung, das Weinbaugebiet bringt einige hervorragende Tropfen hervor, und auch die Gastronomie bietet Gelegenheit, das Leben zu geniessen. Heute erhalten Sie von mir deshalb einige Tipps, wie Sie einen Teil Ihrer Gewinne wieder in den Wirtschaftskreislauf einfliessen lassen könnten.

 

Meine Lieblingsbeiz in Schaffhausen ist der Gennersbrunnerhof (naja, die Homepage ist kein Highlight). Dafür die heimelige Gaststube mit einer bodenständigen Küche. Der Rehrücken ist sensationell.

 

Anziehungspunkt Nummer 1 in Schaffhausen ist der Rheinfall. Eine Fahrt mit dem Boot zum Felsen in der Mitte ist Pflicht. Das Restaurant mit dem schönsten Blick im ganzen Kanton ist das Schlössli Wörth, direkt am Rheinfall. Ein Abend mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin bei Kerzenlicht und mit Blick auf den beleuchteten Rheinfall ist unvergesslich.

 

Rheinfall

Quelle: schloessliwoerth.ch

 

Die gastronomische Nummer 1 im Kanton ist die Fischerzunft . André Jaeger hält sein Jahrzehnten 19 Gault-Millau-Punkte. Ich selbst bin kein spezieller Fisch- und Meeresfrüchte-Liebhaber und deshalb ein seltener Gast. Es ist klar, dass derart hohe Kochkunst und ein perfektes Ambiente den Geldbeutel und die Aktiengewinne ziemlich stark belasten.

 

Etwas Spezielles sind die Dinner-Krimis. Die Alte Rheinmühle in der Enklave Büsingen ist nicht nur ein wunderschönes Restaurant am Rhein (im Sommer fantastisch, direkt am Rhein, unter Kastanienbäumen) – sondern bietet diese tolle Kombination von Live-Krimi und feinem Essen. Ich würde vorschlagen, Sie übernachten gleich da.

 

Ein Geheimtipp in der Schaffhauser Altstadt sind die Nachtwächterführungen. Sie lernen die Geschichte der Stadt auf humorvolle Weise kennen und haben danach natürlich einen gesunden Appetit.

 

In der Altstadt mag ich den Oberhof besonders. Daniel Riedener kocht nicht nur am Schaffhauser Fernsehen live, man kann die Arbeit in der Küche auch via TV mitverfolgen.

 

Selbstverständlich trinken Sie zum Essen auch einen Schaffhauser Wein. Es gibt viele Spitzenwinzer im Kanton. Meine Favoriten (die nicht Genannten mögen mir verzeihen), die ich zum Teil schon sehr lange persönlich kenne:

 

Aagne Familie Gysel, Hallau  (ich mag den Pinot Blanc Chardonnay 2013)

Weinstamm, Schaffhausen (z. B. Flüe 2011)

Baumann, Oberhallau  (Pinot Noir R)

 

Und wer sich etwas ganz besonderes leisten will, hier noch ein Vorschlag.

 

Wenn Sie meine Blogposts regelmässig lesen, wissen Sie nicht nur, wie Sie Geld verdienen, sondern auch wie Sie es ausgeben können, sei es auf einer Motorrad-Tour oder auf einer gastronomischen Reise in meine engere Heimat. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit und schon heute frohe Festtage und ein glückliches, erfolgreiches 2015.

 

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Billiges Benzin und Gratis-Kaffee

Der Ölpreis befindet sich im freien Fall und auch wenn der Benzinpreis nicht im gleichen Ausmass gesunken ist, so ist die höhere Kaufkraft an der Tanksäule mittlerweile durchaus spürbar. Der Preis pro Liter liegt derzeit rund 15 Rappen tiefer als der Durchschnittspreis 2013. Ich freue mich über den Caffè Latte, den ich mir an der Tankstelle jeweils gönne und den es schon bei einer halben Tankfüllung nun also quasi gratis dazu gibt.

 

Gemäss dem Bundesamt für Energie wurden in der Schweiz im vergangenen Jahr rund 3.7 Mrd. Liter Benzin verbraucht. Bleibt der Benzinpreis dort, wo er aktuell ist, würden wir jährlich über 550 Mio. Franken weniger ausgeben für Benzin. Rechnet man die Ersparnis bei Diesel dazu, so stünde der Schweizer Bevölkerung allein dank günstigerer Treibstoffpreise jährlich rund eine Milliarde Franken mehr zur Verfügung. Dafür könnte man eine Menge Caffè Latte kaufen. Insgesamt entlastet der tiefere Ölpreis die Industrieländer um mehrere hundert Milliarden Dollar. Das löst zwar längst nicht alle Probleme, ist aber eine willkommene Unterstützung für die Weltwirtschaft.

 

Also Erdöl gut alles gut? Weit gefehlt! Obwohl der tiefere Ölpreis eine stimulierende Wirkung auf die Konjunktur hat, dämpft er natürlich kurzfristig die Inflation. Und prompt steigt bereits der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) mit neuen Massnahmen aufzuwarten. Abgesehen davon, dass es nicht die Aufgabe einer Notenbank sein kann, kurzfristige Inflationsdellen auszubügeln, ist auch die irrationale Angst vor einem Abgleiten in die Deflation nicht nachvollziehbar. Für das gebetsmühlenartig wiederholte Argument, dass die Konsumenten in einen Kaufstreik treten, sobald sie von sinkenden Preisen ausgehen, gibt es weiterhin keine fundierte Grundlage. Die Japaner haben sich so verhalten, wie von der ökonomischen Theorie vorhergesagt: der Zusammenhang zwischen Teuerung und (realem) Konsum ist negativ d.h. wenn’s billiger wird, wird mehr gekauft und umgekehrt. Auch in der Schweiz zeigt sich dasselbe Muster: seit Herbst 2011 liegt die Inflationsrate meistens unter null oder nur knapp darüber. Trotzdem (oder eben gerade deshalb) sind die Konsumausgaben laufend gestiegen.

 

Grafik 1: Steigende Detailhandelsumsätze trotz sinkenden Preisen

 

Grafik 1

 

Der reale Konsument verhält sich offenbar nicht so, wie die Deflationswarner unterstellen. Ein Blick über den Atlantik bestätigt dies. Es gibt viele Gründe, sein Konsumverhalten anzupassen – veränderte Inflationserwartungen gehören nicht dazu.

 

Grafik 2: Kein Zusammenhang zwischen Inflationserwartungen und Konsumausgaben in den USA

 

Grafik 2

 

Hier zeigt sich wie fehlgeleitet der sture Fokus auf (zu) tiefe Inflation und Inflationserwartungen ist – noch dazu in der kurzen Frist. Die Teuerung anzukurbeln, um strukturelle Probleme zu lösen und Wachstum zu generieren wird nicht funktionieren. Man kann es nicht oft genug wiederholen: geringer Preisdruck ist Symptom und nicht Ursache eines schwachen wirtschaftlichen Umfelds. Also lassen Sie sich nicht vom Deflationsgespenst erschrecken. Freuen Sie sich über die gesunkenen Benzinpreise und geniessen Sie den Gratis-Kaffee.

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Advent, Advent

Dieses Wochenende hat die Adventszeit begonnen. Als Familienvater weiss ich natürlich, dass es hier nur um eines geht: den Adventskalender. Da mich die Kommerzialisierung der alten Tradition stört, haben meine Kinder und ich vor ein paar Jahren unser eigenes Modell gebaut. Es ist eine hübsche (finde ich) grüne Kiste mit 24 roten Blumentöpfen. Um den Inhalt der Töpfe in Form von kleinen Geschenken und metabolischen Süssigkeiten kümmert sich alljährlich meine Frau – eine schwierige Aufgabe. Seit gestern steht unser Adventskalender wieder bei uns im Wohnzimmer.

 

Advent

 

Auf dem Finanzplatz Zürich bezieht sich das Wort Adventskalender bekanntlich auf etwas ganz anderes, nämlich die Internet-Platform Inside Paradeplatz des Journalisten Lukas Hässig. Auch hier finden wir jeden Morgen eine kleine Überraschung.

 

In den Blumentöpfli des Adventskalenders befindet sich Unterschiedliches. Eher selten geht es um Politik. Zum Beispiel in Form verbaler Unterstützung für die Goldinitiative. Oder der Bundesrat wird einmal mehr für mangelnden Winkelriedismus im Steuerstreit angegriffen. Das sind die eher lauen Artikel. Zu echter Hochform läuft Hässig hingegen immer dann auf, wenn er gegen die Chefs der Finanzindustrie vom Leder zieht. Die Führung von CS, UBS, Raiffeisen, Vontobel, ZKB, Julius Bär und Migrosbank bekommen schon länger im regelmässigen Turnus ihr Fett weg. Und jetzt herrscht auch bei Swisscanto Adventsstimmung.

 

Der Erfolg des Adventskalenders ist schnell erklärt: es ist der genüssliche Spott des kleinen Finanzmarktarbeiters gegen die Chefs. Angelsächsische Manager ohne Gefühl für helvetische Kultur, McKinsey-Rationalisierer ohne echte Erfahrung in der Industrie, eloquente Selbst-Inszinierer, alte Seilschaften, Pseudointellektuelle im Elfenbeinturm – alle werden letztlich als Versager entlarvt. Stellung wird dagegen bezogen für das gestandene Fussvolk. Dass dabei gelegentlich auf den Mann gezielt wird, gehört zum Gefäss. Auch der eklektische Umgang mit der Wahrheit. Lukas Hässig publiziert regelmässig im Tagesanzeiger und hält sich dort an hohe publizistische Leitlinien; beim Adventskalender strebt er gemäss eigenen Aussagen eine Wahrheits-Quote von 70% an. Diese 70% Wahrheit enthalten oft Brisantes. 30% hoch-dosierte Fiktion öffnen andererseits Tür und Tor zur undurchsichtigen Instrumentalisierung.

 

Man kann sich fragen: Warum gerade die Finanzindustrie? Meines Wissens gibt es kein Inside Kantonsspital, kein Inside Bundesverwaltung, kein Inside Schweizerhalle und auch kein Inside Google. Ich habe eine einfache Erklärung: der Adventskalender erfüllt in der Finanzindustrie die Rolle des Hofnarren. Der geniesst das Privileg der Narrenfreiheit, um die Herrschenden unter der Tarnung der Unterhaltungsindustrie auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Möglicherweise hat die Finanzindustrie in Umfeld der Finanzkrise, Steuerstreit, regulatorischem Druck und Marktmanipulation den Thermometer und das Frustrationsventil nötiger als andere Branchen.

 

Was auch immer Sie in ihrem nächsten Blumentopf finden: Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit.

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