Swisscanto Blog - Märkte, Trends & Meinungen

Pferdewechsel an den Aktienmärkten?

Nach den Sommerferien und der Saure-Gurken-Zeit haben Sie jetzt sicher Zeit und Lust, sich wieder mit der Anlagepolitik zu befassen. Dies ist meines Erachtens auch wirklich nötig.

In den letzten Wochen haben die Aktienmärkte teilweise empfindlich korrigiert. Empfindlich? Ja, gemessen an den in der Zwischenzeit erreichten Allzeithöchst, wenn wir uns z. B. den DAX-Index anschauen. Nicht empfindlich, wenn wir den leichten Rückschlag des S & P 500 betrachten. Der homogene Aufwärtstrend an den weltweiten Aktienmärkten scheint angeschlagen zu sein. Deshalb fragen wir uns heute, ob wir die müden Pferde gegen junge und frische austauschen sollten.

 

Zuerst aber ein Überblick über die Märkte (Grafik 1). Sie sehen, dass sich die Performance in Lokalwährungen im Jahr 2014 (zweitletzte Spalte, % Ytd, % YtdCur zeigt die Performance in CHF) sehr unterschiedlich präsentiert. Deutlich im grünen Bereich der erwähnte S & P 500, der weltweit wichtigste Aktienindex. Weiter deutlich grün zeigen sich z. B. der brasilianische Index IBOVESPA und auch der Hang Seng Index in Hong Kong.

 

Rot und mit einem Verlust der deutsche Aktienindex DAX, aber auch der Euro Stoxx, ein etwas breiter gefasster europäischer Aktienindex. Dies hat natürlich seine Gründe.

 

Schauen wir uns anhand des einfachsten und gängigsten Bewertungsmassstabes, des P/E-Ratios, die wichtigsten Märkte an. Auf den ersten Blick stellen wir bereits fest: So richtig günstig ist nichts mehr zu haben. Der S & P 500 weist ein P/E (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 17.53 auf, der Euro Stoxx von 22.22 und der SMI von 19.68. Der billigste Aktienmarkt gemessen an dieser Kennzahl ist der Aktienmarkt Hong Kong mit dem Hang Seng Index mit einem P/E von 11.

 

Grafik 1: Übersicht über die Kursentwicklung wichtiger Aktienmärkte per 18.8.2014

Grafik 1 Übersicht über die Kursentwicklung wichtiger Aktienmärkte per 180814

Quelle: Bloomberg

Zuerst fragen wir uns, ob die Aufwärtstrends noch intakt sind. Für den S & P 500 ist diese Frage klar zu bejahen (Grafik 2). So lange dieser Aufwärtstrend anhält, dürften auch die anderen wichtigen Märkte nach der Korrektur wahrscheinlich zu einer Erholung ansetzen. Diese Erholung ist genau zu beobachten. Fällt sie kraftlos aus, so könnte dies ein Anzeichen dafür sein, dass sich  ein Ende des über 5jährigen Aufwärtstrends abzeichnet. Wieso schneidet nun der S & P 500 besser ab?

 

Grafik 2: Kursentwicklung des S & P 500 Index (USA) per 15.8.2014

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Weil die Gewinnentwicklung mit der Kursentwicklung in den USA in Einklang steht. Grafik 3 zeigt mit der weissen Linie die Kursentwicklung des S & P 500. Die blaue Linie stellt die Gewinnentwicklung der vergangenen 12 Monate bezogen auf den Index dar. Sie sehen: Die Gewinne befinden sich auf Rekordstand, deutlich über den Niveaus von 2000 und 2007. Die hohe Bewertung kann mindestens mit der Gewinnentwicklung einigermassen gerechtfertigt werden. Die Gewinnaussichten bleiben günstig: Die Auftragseingänge in den USA sind auf einem 9-Jahres-Höchststand, ebenso der Einkaufsmanager-Index. Bei Korrekturen an den Aktienmärkten dürfte sich der amerikanische Aktienmarkt wahrscheinlich deutlich robuster zeigen als die europäischen Börsen.

 

Grafik 3: Kursentwicklung S & P 500 Index (weiss) und Gewinnentwicklung der vergangenen 12 Monate (blau)

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Deutlich ungünstiger sieht die Situation beim DAX aus (Grafik 4). Der Einbruch ist sehr viel deutlicher ausgefallen, allerdings in einem starken Aufwärtstrend. Normalerweise folgt darauf eine Erholung. Was uns Sorgen macht, ist die Gewinnentwicklung, die mit der Kursentwicklung nicht Schritt hält (Grafik 5). Der DAX hat einen Rekordstand erreicht, die Gewinne liegen aber immer noch tiefer als bei den früher erreichten Höchstkursen des DAX. Wohl sind die Gewinnschätzungen der Analysten (das Ende der blauen Linie, gestrichelt) sehr optimistisch, es scheint aber mehr Hoffnung zu sein.

 

Bei Korrekturen an den Aktienmärkten dürften deshalb die europäischen Aktienmärkte deutlich anfälliger sein als der amerikanische.

 

Grafik 4: Kursentwicklung des DAX-Index per 18.8.2014

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Grafik 5: Kursentwicklung (weiss) und Gewinnentwicklung (letzte 12 Monate und Schätzungen, blau)

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Auch der Aufwärtstrend am Schweizer Aktienmarkt ist nach der recht heftigen Korrektur (noch) intakt (Grafik 6). Er wird aber von immer weniger Titeln getragen und einige Werte haben bereits einen Abwärtstrend eingeschlagen. Der Schweizer Markt zeigt damit deutliche Ermüdungserscheinungen. Weil er auch nicht mehr billig ist, würde ich eine Erholungsphase zu Gewinnmitnahmen nützen. Eine solche Erholungsphase ist auch angesichts der wieder gesunkenen Zinsen möglich, sogar wahrscheinlich, vor allem dann, wenn sich z. B. eine Entspannung in der Ukraine-Krise abzeichnen sollte. Die Gewinnentwicklung in der Schweiz ist ebenfalls recht solide, wie Grafik 7 zeigt, obwohl die Banken diesbezüglich deutlich schwächeln, und die vor den diversen Krisen erreichten Niveaus kaum mehr erreichen dürften.

 

Grafik 6: Kursentwicklung SPI-Index per 18.8.2014

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Grafik 7: Kursentwicklung und Gewinnentwicklung des SPI-Index

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Nun zum Pferdewechsel. Angesichts dieser Situation fragen wir uns, wo die jungen, noch nicht müden Pferde sind. Wir finden sie vor allem in den Emerging Markets. Erstes Beispiel ist der wichtige brasilianische Aktienmarkt. Er zeigt im Jahre 2014 eine deutliche Erholung an (Grafik 8). Die technischen Indikatoren deuten kurzfristig auf eine Trendwende nach oben hin. Der gleitende 90-Tages-Durchschnittskurs (grün) hat den gleitenden 200-Tages-Durchschnittskurs nach oben durchbrochen. Beide Durchschnittslinien beginnen zu steigen.

 

Auch der langfristige Trend, der seit 2011 wellenförmig nach unten zeigt, hat ein Umkehrsignal nach oben generiert (Grafik 9).

 

Grafik 8: Kursentwicklung Aktienmarkt Brasilien mit gleitenden 90-Tages (grün) und 200-Tages-Durchschnittskursen (gelb), per 15.8.2014

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

 Grafik 9: Aktienmarkt Brasilien

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

Nun zum auf den ersten Blick billigsten Aktienmarkt aus unserer Übersicht ganz am Anfang: Hong Kong. Auch dieser Markt hat ein langfristiges Trendsignal nach oben gegeben (Grafik 10). Bestätigt wird dieses Signal auch durch die verbesserten Wirtschaftszahlen aus China. Auch der Shanghai Composite Index (mit den inländischen chinesischen Aktien) scheint sich aus seiner jahrelangen Lethargie nach oben zu lösen. Dies alles spricht für ein Übergewicht von Schwellenländern und Hong Kong gegenüber den traditionellen entwickelten Ländern.

 

Konsequenz und Konklusion: Allfällige Übergewichte bei den Aktienmärkten oder neue Käufe sollten von den müden Pferden zu den jungen Pferden, die noch einigermassen günstig zu kaufen sind, verschoben werden. Das Risiko dabei ist, dass diese jungen Pferde nicht wie erwartet laufen werden – aber das sind Sie sich als aktiver Aktieninvestor ja bewusst. Für die Wahl der richtigen Instrumente zur Umsetzung dieser Anpassung in der taktischen Asset Allocation lassen Sie sich bitte beraten.

 

Grafik 10: Kursentwicklung Aktienmarkt Hong Kong (Hang Seng Index)

Quelle: Bloomberg

Quelle: Bloomberg

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Sommerpause bis Mitte August

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

 

Endlich ist es soweit, es scheint als käme der Sommer allmählich in der Schweiz an. Die Ferien haben begonnen und die Leute geniessen die langen sonnigen Tage. Unsere Blogger machen daher Sommerpause und sind ab Mitte August wieder mit neuen Themen rund um Märkte, Trends & Meinungen zurück.

 

Wir wünschen eine gute Zeit.

 

Das Swisscanto Blogger Team

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Sauregurkenzeit

Die Definition der Sauregurkenzeit gemäss wikipedia.org ist folgende:

Sauregurkenzeit (auch Saure-Gurken-Zeit) ist ein sprichwörtlicher Ausdruck, der seit dem späten 18. Jahrhundert in Gebrauch ist. Der Ausdruck bezeichnete ursprünglich eine Zeit, in der es nur wenige Lebensmittel gab; ähnliche Ausdrücke sind das englische season of the very smallest potatoes (Jahreszeit der kleinsten Kartoffeln) und cucumbertime (Gurkenzeit).[1]

Heute wird so unter Geschäftsleuten scherzhaft die Zeit des Hochsommers genannt, in der die meisten Leute Ferien machen und daher stille Geschäftszeit herrscht. Da sich zu dieser Zeit auch in Politik und Kulturleben wenig ereignet, wurde der Begriff vom Journalismus übernommen, um die nachrichtenarmen Wochen des Sommers zu bezeichnen, in denen die Seiten der Zeitungen häufiger als sonst mit nebensächlichen und kuriosen Meldungen gefüllt werden (die Verwendung ist also ähnlich der des Sommerloches).

Ich liebe die Sauregurkenzeit. An der Börse gibt es derzeit nicht viel Aufregung. Die Aufwärtstrends an den Aktienmärkten sind zwar alt, aber intakt.

Es ist warm, die Tage sind lang, die Abende lau, ich kann im Rhein Baden gehen – oder Motorradfahren. Ich hatte Ihnen ja versprochen, zwischendurch eine schöne Motorradtour zu empfehlen. Seit mehr als zehn Jahren unternimmt eine Gruppe von Freunden eine jeweils 3-tägige Tour im Juni. Die diesjährige Tour war geprägt von wunderbarem Wetter, einer traumhaften, aber durchaus sehr anspruchsvollen Strecke und natürlich auch vom Genuss am Abend, bei feinem Essen und ein paar Gläsern gutem Wein. Die Tour wurde nur von einem Ereignis getrübt: Der Niederlage der Schweizer Fussballer gegen Frankreich. Beim Stand von 0 : 5 tranken wir noch einen guten Digéstif.

In den Hotels am ersten Etappenort in Courmayeur, in der Auberge de la Maison, und am zweiten Abend in Evian-les-Bains, im Hotel de la Verniaz et ses Chalets waren wir sehr willkommen. Wir hatten uns jeweils für das regionale Abendmenü entschieden und sind dabei sehr gut gefahren.

Machen Sie die Tour einmal. Hier die Route und einige Impressionen:

Möglicher Treffpunkt:  http://www.tellsplatte.ch/lage

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