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Warum sollten traditionelle Anlagen gegenüber nachhaltigen besser rentieren? Nur weil sie die Umwelt und die Gesellschaft mehr belasten?

Nachhaltige Anlagen fristen im Vergleich zu traditionellen Geldanlagen immer noch ein Nischendasein. Gemäss der Veröffentlichung The Global Sustainable Investment Review 2012  aus dem Jahr 2013 berücksichtigt rund ein Fünftel der weltweit professionell angelegten Gelder in irgendeiner Form Nachhaltigkeitskriterien. Umfassende Nachhaltigkeitskriterien wie sie zum Beispiel beim Best in Class Ansatz zur Anwendung kommen, bei dem nur die nachhaltigsten 30% Prozent pro Sektor zugelassen werden, kommen sogar nur bei wenigen Prozent aller Geldanlagen zur Geltung.

 

Warum werden nachhaltige Anlagen nur so zögerlich vom Markt angenommen, wenn doch weitgehend Konsens besteht, dass die negativen ökologischen Begleiterscheinungen unseres gegenwertigen Wirtschaftswachstum in die Katastrophe führen können?

 

Aus meiner Erfahrung lassen sich die Skeptiker hinsichtlich nachhaltiger Anlagen in 3 Typen unterteilen:

 

1) der I couldn’t care less Typ:
Dieser Anleger interessiert sich schlicht und einfach nicht für das Thema Nachhaltigkeit.

 

2) der Nachhaltigkeitsfundamentalist:
Für diesen Ökofundi muss erst noch den Beweis erbracht werden, dass nachhaltige Anlagen, einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

 

3) der Performanceskeptiker:
Dieser Anleger befürchtet Performanceeinbussen relativ zu traditionellen Anlagen und meidet sie deswegen.

 

Der I couldn’t care less Typ diskutiert im Regelfall nicht mit einem Portfoliomanger für nachhaltige Anlagen und deswegen weiss ich nicht was er denkt.

 

Die Nachhaltigkeitsfundamentalisten argumentieren, dass zuerst der Wachstumswahn der Wirtschaft aufhören muss, bevor eine nachhaltige Entwicklung eintreten kann. Ansonsten würde der steigende Ressourcenverbrauch nie gestoppt werden. Da alle nachhaltigen Aktienfonds letztendlich auch auf das Wachstum ihrer Unternehmen setzen, ist für die Nachhaltigkeitsfundamentalisten Nachhaltigkeit und börsengelistete Unternehmen ein Widerspruch in sich. Die Ökofundis müssten sehen, dass mithilfe von nachhaltigen Unternehmen der Ressourcenverbrauch absolut weltweit gesenkt werden kann. Dann und nur dann könnten sie sich für nachhaltige Aktienfonds erwärmen.

 

Unter den Kritikern von Nachhaltigkeitsfonds begegne ich am meisten den Performanceskeptikern. Sie glauben den breit angelegten Studien kein Wort, dass nachhaltige im Vergleich zu traditionellen Fonds kein schlechteres Risiko Returnprofil ausweisen. Sie sind überzeugt, dass sich mit traditionellen Geldanlagen mehr verdienen lässt. Denn sie glauben zu wissen, dass der Zusatznutzen Nachhaltigkeit sich in einer höheren Bewertung widerspiegeln muss, da die Märkte einen Zusatznutzen effizient einpreisen.

 

Damit machen sie aber eine interessante Aussage: Sie implizieren, dass traditionelle Geldanlagen im Vergleich zu nachhaltigen mehr Rendite bringen, da sie in Unternehmen investieren können, die von nachhaltigen Fonds aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft ausgeschlossen werden. Somit ist in ihrem Weltbild das Schädigen der Umwelt und der Gesellschaft die wesentliche Ursache für die höheren Renditeerwartungen. Bewusst ist den Performanceskeptikern dieser logische Umkehrschluss allerdings nur sehr selten.

 

Um die teilweise etwas emotional geführte Diskussion zu versachlichen, hilft es traditionelle Indizes mit nachhaltigen Indizes zu vergleichen. MSCI unterhält neben dem MSCI World Index den nachhaltigen MSCI World ESG Index. Im Wesentlichen setzt sich der Index aus den 50% nachhaltigsten Unternehmen des MSCI WORLD zusammen, wobei darauf geachtet wird dass die Regionen und Sektorenverteilung jener des MSCI World sehr ähnelt.

 

Die Performanceentwicklung seit der Lancierung im Jahr 2007 ist im Wesentlichen gleich, wie die folgende Graphik und die Tabelle zeigen.

Grafik nachhaltige Anlagen MSCI

Quelle: MSCI

 

Der Vergleich des MSCI ESG Index mit dem traditionellen MSCI World ist für mich das stärkste Argument, dass nachhaltige Aktienfonds nicht per se schlechter performen. Allerdings performen sie auch nicht besser. Abweichungen gegenüber einem gegebenen Benchmark sind somit auf Investmentstile, wie z.B. ein Übergewicht an kleinkapitalisierten Unternehmen oder auf den jeweiligen Portfoliomanager zurückzuführen. Die einzige Ausnahme sind aufgrund von Nachhaltigkeitskriterien ausgeschlossen Sektoren. Diese können zu systematischen Abweichungen gegenüber einem traditionellen Benchmark führen.

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Geld ausgeben macht glücklich

Liebe Blog-Leserinnen und Leser

 

In zwei Wochen ist Weihnachten. Wenn wir uns heute unseren Depotauszug anschauen, freuen wir uns über die entstandenen (Buch-) Gewinne auf praktisch allen Anlagekategorien (ausser Gold, wo Sie meine skeptische Haltung kennen). Aber Geld und Gewinne auf einem Depotauszug machen eigentlich nicht glücklich. Deshalb mein heutiger Tipp: Realisieren Sie einige Gewinne und leisten Sie sich etwas, das auch Ihre Seele erfreut. Sie könnten zum Beispiel einmal meinen Heimatkanton besuchen.

 

Als Schaffhauser wohne ich im so genannten kleinen Paradies. Der Rhein und der Randen bieten dem Naturfreund Erholung, das Weinbaugebiet bringt einige hervorragende Tropfen hervor, und auch die Gastronomie bietet Gelegenheit, das Leben zu geniessen. Heute erhalten Sie von mir deshalb einige Tipps, wie Sie einen Teil Ihrer Gewinne wieder in den Wirtschaftskreislauf einfliessen lassen könnten.

 

Meine Lieblingsbeiz in Schaffhausen ist der Gennersbrunnerhof (naja, die Homepage ist kein Highlight). Dafür die heimelige Gaststube mit einer bodenständigen Küche. Der Rehrücken ist sensationell.

 

Anziehungspunkt Nummer 1 in Schaffhausen ist der Rheinfall. Eine Fahrt mit dem Boot zum Felsen in der Mitte ist Pflicht. Das Restaurant mit dem schönsten Blick im ganzen Kanton ist das Schlössli Wörth, direkt am Rheinfall. Ein Abend mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin bei Kerzenlicht und mit Blick auf den beleuchteten Rheinfall ist unvergesslich.

 

Rheinfall

Quelle: schloessliwoerth.ch

 

Die gastronomische Nummer 1 im Kanton ist die Fischerzunft . André Jaeger hält sein Jahrzehnten 19 Gault-Millau-Punkte. Ich selbst bin kein spezieller Fisch- und Meeresfrüchte-Liebhaber und deshalb ein seltener Gast. Es ist klar, dass derart hohe Kochkunst und ein perfektes Ambiente den Geldbeutel und die Aktiengewinne ziemlich stark belasten.

 

Etwas Spezielles sind die Dinner-Krimis. Die Alte Rheinmühle in der Enklave Büsingen ist nicht nur ein wunderschönes Restaurant am Rhein (im Sommer fantastisch, direkt am Rhein, unter Kastanienbäumen) – sondern bietet diese tolle Kombination von Live-Krimi und feinem Essen. Ich würde vorschlagen, Sie übernachten gleich da.

 

Ein Geheimtipp in der Schaffhauser Altstadt sind die Nachtwächterführungen. Sie lernen die Geschichte der Stadt auf humorvolle Weise kennen und haben danach natürlich einen gesunden Appetit.

 

In der Altstadt mag ich den Oberhof besonders. Daniel Riedener kocht nicht nur am Schaffhauser Fernsehen live, man kann die Arbeit in der Küche auch via TV mitverfolgen.

 

Selbstverständlich trinken Sie zum Essen auch einen Schaffhauser Wein. Es gibt viele Spitzenwinzer im Kanton. Meine Favoriten (die nicht Genannten mögen mir verzeihen), die ich zum Teil schon sehr lange persönlich kenne:

 

Aagne Familie Gysel, Hallau  (ich mag den Pinot Blanc Chardonnay 2013)

Weinstamm, Schaffhausen (z. B. Flüe 2011)

Baumann, Oberhallau  (Pinot Noir R)

 

Und wer sich etwas ganz besonderes leisten will, hier noch ein Vorschlag.

 

Wenn Sie meine Blogposts regelmässig lesen, wissen Sie nicht nur, wie Sie Geld verdienen, sondern auch wie Sie es ausgeben können, sei es auf einer Motorrad-Tour oder auf einer gastronomischen Reise in meine engere Heimat. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit und schon heute frohe Festtage und ein glückliches, erfolgreiches 2015.

 

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Billiges Benzin und Gratis-Kaffee

Der Ölpreis befindet sich im freien Fall und auch wenn der Benzinpreis nicht im gleichen Ausmass gesunken ist, so ist die höhere Kaufkraft an der Tanksäule mittlerweile durchaus spürbar. Der Preis pro Liter liegt derzeit rund 15 Rappen tiefer als der Durchschnittspreis 2013. Ich freue mich über den Caffè Latte, den ich mir an der Tankstelle jeweils gönne und den es schon bei einer halben Tankfüllung nun also quasi gratis dazu gibt.

 

Gemäss dem Bundesamt für Energie wurden in der Schweiz im vergangenen Jahr rund 3.7 Mrd. Liter Benzin verbraucht. Bleibt der Benzinpreis dort, wo er aktuell ist, würden wir jährlich über 550 Mio. Franken weniger ausgeben für Benzin. Rechnet man die Ersparnis bei Diesel dazu, so stünde der Schweizer Bevölkerung allein dank günstigerer Treibstoffpreise jährlich rund eine Milliarde Franken mehr zur Verfügung. Dafür könnte man eine Menge Caffè Latte kaufen. Insgesamt entlastet der tiefere Ölpreis die Industrieländer um mehrere hundert Milliarden Dollar. Das löst zwar längst nicht alle Probleme, ist aber eine willkommene Unterstützung für die Weltwirtschaft.

 

Also Erdöl gut alles gut? Weit gefehlt! Obwohl der tiefere Ölpreis eine stimulierende Wirkung auf die Konjunktur hat, dämpft er natürlich kurzfristig die Inflation. Und prompt steigt bereits der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) mit neuen Massnahmen aufzuwarten. Abgesehen davon, dass es nicht die Aufgabe einer Notenbank sein kann, kurzfristige Inflationsdellen auszubügeln, ist auch die irrationale Angst vor einem Abgleiten in die Deflation nicht nachvollziehbar. Für das gebetsmühlenartig wiederholte Argument, dass die Konsumenten in einen Kaufstreik treten, sobald sie von sinkenden Preisen ausgehen, gibt es weiterhin keine fundierte Grundlage. Die Japaner haben sich so verhalten, wie von der ökonomischen Theorie vorhergesagt: der Zusammenhang zwischen Teuerung und (realem) Konsum ist negativ d.h. wenn’s billiger wird, wird mehr gekauft und umgekehrt. Auch in der Schweiz zeigt sich dasselbe Muster: seit Herbst 2011 liegt die Inflationsrate meistens unter null oder nur knapp darüber. Trotzdem (oder eben gerade deshalb) sind die Konsumausgaben laufend gestiegen.

 

Grafik 1: Steigende Detailhandelsumsätze trotz sinkenden Preisen

 

Grafik 1

 

Der reale Konsument verhält sich offenbar nicht so, wie die Deflationswarner unterstellen. Ein Blick über den Atlantik bestätigt dies. Es gibt viele Gründe, sein Konsumverhalten anzupassen – veränderte Inflationserwartungen gehören nicht dazu.

 

Grafik 2: Kein Zusammenhang zwischen Inflationserwartungen und Konsumausgaben in den USA

 

Grafik 2

 

Hier zeigt sich wie fehlgeleitet der sture Fokus auf (zu) tiefe Inflation und Inflationserwartungen ist – noch dazu in der kurzen Frist. Die Teuerung anzukurbeln, um strukturelle Probleme zu lösen und Wachstum zu generieren wird nicht funktionieren. Man kann es nicht oft genug wiederholen: geringer Preisdruck ist Symptom und nicht Ursache eines schwachen wirtschaftlichen Umfelds. Also lassen Sie sich nicht vom Deflationsgespenst erschrecken. Freuen Sie sich über die gesunkenen Benzinpreise und geniessen Sie den Gratis-Kaffee.

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