Swisscanto Blog - Märkte, Trends & Meinungen

Wertschriftensparen lohnt sich (immer noch)

Mit den fallenden Blättern nähern wir uns bereits wieder dem Jahresende. Eine gute Gelegenheit, um auch bei den Finanzen über die Bücher zu gehen. Wer über Geldbestände verfügt, welche für längere Zeit nicht benötigt werden und in diesem Jahr noch keine Einzahlung in die 3. Säule vorgenommen hat, für den bleiben somit noch gut 2 Monate Zeit, um die Überweisung für das Jahr 2014 zu tätigen. Sparen in der 3. Säule ist steuerlich attraktiv und wer von der Möglichkeit des Sparens mit Wertschriften Gebrauch macht, profitierte in den letzten Jahren von einer sehr guten Performance. Diese betrug beispielsweise für Swisscanto BVG 3 Portfolio 25 über die letzten 3 Jahre (per 30.9.14) im Durchschnitt 7.3% pro Jahr. Mit Swisscanto BVG 3 Portfolio 45 resultierte über die gleiche Periode sogar eine Performance von 10.4% pro Jahr. Im Vergleich mit den Verzinsungen auf den Säule 3-Konti, welche aktuell im Bereich von einem Prozent liegen, sind das sehr ansprechende Renditen. Gerade angesichts der tiefen Zinsen an den Kapitalmärkten dürften sich viele aber auch die Frage stellen, ob mit dem Wertschriftensparen auch künftig noch attraktive Renditen zu erzielen sind.

 

Die angebotenen Produkte zum Wertschriftensparen in der 3. Säule investieren vorwiegend in Obligationen und Aktien, einige wie beispielsweise die oben erwähnten Beispiele zusätzlich auch noch in Schweizer Immobilien. Betrachten wir kurz die aktuellen Aussichten für diese drei Anlagekategorien.

 

Bei den Obligationen sind die Renditen wie erwähnt auf ein sehr tiefes Niveau gesunken. Ein stärkerer Zinsanstieg würde bei den Obligationen zu Kursverlusten führen. Danach sieht es aber nicht aus. Von der wirtschaftlichen Entwicklung her droht keine Inflationsgefahr. Die Teuerung in der Schweiz liegt bei -0.1%, in der Eurozone bei 0.3%. Die Europäische Zentralbank hat ein Inflationsziel von 2%. Sie wird also unverändert eine sehr expansive Geldpolitik betreiben. Das hält die Zinsen in der Eurozone weiterhin auf tiefem Niveau. Über den Euro-Mindestkurs ist die Schweiz quasi mit der Eurozone verbunden und darum werden die Zinsen auch in der Schweiz tief bleiben. Entsprechend kann man von Obligationen mit guter Bonität aufgrund des tiefen Zinsniveaus nicht viel erwarten an Performance, aber man muss auch nicht unmittelbar mit grösseren Kursverlusten rechnen.

 

Aktien haben nach einer längeren Aufwärtsphase zuletzt Korrekturen hinnehmen müssen. Dies hat dazu geführt, dass die Bewertungen wieder attraktiver geworden sind. Die konjunkturelle Entwicklung weltweit gesehen ist solide. Die vorauslaufenden Indikatoren deuten darauf hin, dass dies weiterhin der Fall sein wird. Dies ist eine grundsätzlich positive Ausgangslage für Aktien, welche es den Firmen auch künftig ermöglicht, gute Ergebnisse zu erzielen. Generell kann man festhalten, dass die Bilanzen der Unternehmungen grossmehrheitlich sehr gesund sind. Die Chancen stehen somit gut, dass mit Aktien auch künftig eine ansprechende Performance erwirtschaftet werden kann.

 

Am Schweizer Immobilienmarkt sind die Preise in letzter Zeit klar angestiegen. Deshalb sollte man darauf achten, dass das Säule 3-Anlageprodukt in ein Immobilienvermögen investiert, das bereits seit vielen Jahren besteht und nicht den Grossteil der Liegenschaften erst in den letzten Jahren zu erhöhten Preisen gekauft hat. Die Gebäudewerte werden jährlich von Schätzern überprüft. Dazu verwenden sie Diskontierungssätze. Deren Entwicklung über die Jahre kann man vergleichen mit der Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus. Sind die Diskontierungssätze weniger stark gesunken als das allgemeine Zinsniveau, dann besteht bei den Bewertungen etwas Reserve. Weist das Immobilienvermögen zudem nicht ein zu hohes Agio auf und ist bezüglich den Objekten gut diversifiziert, dann sind die Voraussetzungen gegeben, dass man mit Immobilien auch in den nächsten Jahren eine gute Rendite erwirtschaften kann.

 

Fasst man obige Fakten zusammen, so kann man festhalten, dass ein Säule 3-Anlageprodukt, welches in Obligationen, Aktien und Immobilien gemäss den beschriebenen Kriterien investiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit dank des Beitrages der Aktien und der Immobilien auch über die nächsten Jahre eine Performance erzielen wird, welche im Vergleich mit einem Säule 3-Konto deutlich attraktiver ausfallen wird.

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Stresstest für Banken: Wird es nun stressig für Investoren?

Viele Investoren erwarten mit Höchstspannung den kommenden Sonntag. Um 12 Uhr veröffentlicht die EZB die Ergebnisse zur Überprüfung der Bilanzen und des Stresstests, der die Bilanzen von rund 130 Finanzinstituten in der Eurozone auf ihre Widerstandskraft in Extremsituationen (Rezession, fallende Häuserpreise, Staatsschuldenkrise, etc.) prüft. Besteht eine Bank den Stresstest nicht, muss sie innerhalb von zwei Wochen erklären, wie sie bis Mitte 2015 zu neuem Kapital kommt. Ziel dieser Übung ist es, dass noch unentdeckte Risiken zum Vorschein kommen, bevor die EZB im November die Kontrolle der größten Institute der Euro-Zone übernimmt.
Naturgemäss analysieren oder spekulieren nun die Investoren und Medien, welche Banken sich noch zusätzliches Kapital verschaffen müssen und ob die Finanzmärkte noch bereit sind Banken Kapital zur Verfügung zu stellen, die durch den Stresstest gefallen sind. Wie stark die möglichen Turbulenzen an den Finanzmärkten tatsächlich werden, hängt davon ab, ob es negative Überraschungen geben wird. Böse Überraschungen kann es auch dann geben, wenn Unternehmen den Stresstest zwar bestehen, aber deutlich schlechter als erwartet. Im Stresstest müssen die Geldhäuser eine Kapitalquote von mindestens 5,5 Prozent erreichen.

Trotz aller noch bestehender Unsicherheiten stelle ich hier die Behauptung auf, dass der Stresstest abgesehen von einer erhöhten Nervosität in den ersten Tagen nach dem Stresstest bei wenigen Einzeltiteln nicht wirklich spannend sein kann.
Warum?
Weil die EZB gleichzeitig zwei diametral entgegengesetzte Erwartungen erfüllen muss: Zum einen soll der Stresstest glaubwürdig sein, was impliziert, dass einige Institute durchfallen werden. Andererseits darf er nicht zu extrem ausfallen, da niemandem gedient ist, wenn an den Finanzmärkten Panik entsteht. Letzteres ist wohl der relevante Punkt für Investoren.

Aus meiner Sicht ist es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass Banken, die bisher als solide finanziert gelten, den Stresstest nicht bestehen. Böse Überraschungen sind damit nicht zu erwarten. Welche Banken Probleme beim Stresstest haben könnten, dürfte weitgehend bekannt sein. Zu den üblichen Verdächtigen, die beim Stresstest durchfallen können, gehören zum Beispiel die deutsche Mittelstandsbank IKB, die HSH Nordbank oder das italienische Bankinstitut Monte dei Paschi di Siena sowie die griechischen Banken. Auf der Kippe ist die Situation bei der Commerzbank. Der Grossteil der Banken dürfte den Stresstest aber souverän passieren. Hinzu kommt dass der Stichtag für den Stresstest der 31.12.2013 ist und seither viele Banken bereits Massnahmen zur Verbesserung der Eigenkapitalbasis umgesetzt haben.

Für die Aktienkursentwicklung der europäischen Banken über die nächsten 12 Monate wird die Wirtschaftsentwicklung und die potentiellen Strafzahlungen bei den Investmentbanken wichtiger sein als die Ergebnisse des Stresstests der am Sonntag veröffentlicht wird, da es hier noch zu Überraschungen kommen kann, die bisher nicht im Aktienkurs reflektiert sind.

Nachdem ich mich nun hier mit der Aussage exponiert habe, dass der Stresstest kein überraschendes Ergebnis bringen kann, und damit eher langweilig sein wird, steigt nun bei mir die Spannung, ob ich Recht behalten werde.

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Von Gutenberg zur Open University

Als Johannes Gutenberg um das Jahr 1452 die ersten Bibeln auf seiner neu entwickelten Druckerpresse herstellte, ahnte er wahrscheinlich nicht, welche gewaltigen Umwälzungen die neue Methode der Buchproduktion mit sich bringen würde. Die effizientere Herstellung von Büchern führte zu einer rascheren Verbreitung von Wissen und legte damit den Grundstein für die Aufklärung mit all ihren weitreichenden Folgen für Wirtschaft, Politik und Religion.

 

Grafik 1: Die Anzahl Bücher in Europa ist nach Erfindung der Druckerpresse exponentiell angestiegen

Quelle: Wikipedia

Menschen tendieren dazu, kurzfristige Veränderungen zu über- und langfristige zu unterschätzen. Vielleicht liegt es am bekannten Phänomen, dass wir exponentielles Wachstum intuitiv nicht erfassen können oder daran, dass die nahe Zukunft für uns bedeutender ist als die ferne. Wie dem auch sei, auch die langfristigen Auswirkungen technologischer Erneuerungen werden oftmals unterschätzt – ein Fehler, der sich auch im aktuellen Umfeld zu wiederholen scheint. Wegen eines im Nachgang der Finanzkrise gesunkenen Produktivitätswachstums wird zuweilen sogar das Ende des technologischen Fortschritts ausgerufen. Man anerkennt zwar die Annehmlichkeiten, welche uns die Digitale Revolution beschert hat – PC, Internet, Smartphones. Gleichzeitig aber sieht man, abgesehen von einem gesteigerten Unterhaltungswert, kaum einen Zusatznutzen neuer Technologien oder wie es Tyler Cowen im Zusammenhang mit seiner Publikation The Great Stagnation formulierte:

 

Natürlich haben der PC und sein Cousin, das Smartphone, einige große Veränderungen mit sich gebracht. Und viele Güter und Dienstleistungen sind jetzt im Überfluss vorhanden und von besserer Qualität. Aber verglichen mit dem, was meine Großmutter erlebt hat, ist die Grundausstattung des Lebens im Großen und Ganzen dieselbe geblieben.

 

Diese Aussage trifft aber nur für eine Minderheit der Weltbevölkerung zu. Für uns in den Industrieländern mögen die Bequemlichkeiten, welche uns Mobiltelefon und Internet-TV bringen, im Vordergrund stehen. Auch computergesteuerte Autos, 3D-Drucker und Haushaltsroboter sind nicht zu verachten. Aber für Milliarden von Menschen ist die Digitale Revolution die Möglichkeit, zum ersten Mal überhaupt am globalen Wirtschaftsleben teilzunehmen. Wirtschaftswachstum entsteht im Kern durch Innovation und unternehmerische Tätigkeit. Die Tatsache, dass innerhalb von nur einer Generation Milliarden von Menschen mit ihren Ideen, ihrer Motivation und ihrem Streben nach einem besseren Leben in die globale Gemeinschaft integriert werden können, birgt immenses Potenzial für die Weltwirtschaft. Während Sie diesen Artikel lesen, sind bereits wieder ein paar hundert neue Internet-Nutzer dazu gekommen, bereit sich voller Elan am Wirtschaftsleben zu beteiligen. Bald wird die 3-Milliarden-Schwelle erreicht sein.

 

Grafik 2: Digitale Revolution – die Anzahl Internet-Nutzer nimmt rasch zu

Gutenberg Grafik 2

Quelle: Internetlivestats

Ob Fernausbildung an einer Online-Universität, neue Finanzierungsmöglichkeiten über Crowd Funding oder eine (virtuelle) globale Marktpräsenz selbst für Kleinunternehmer – die Digitale Revolution wird globale Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik haben, durchaus vergleichbar mit Gutenbergs Druckerpresse.

 

Damals wie heute gilt: Der Fokus auf den kurzfristigen Nutzen neuer Technologien ist viel zu eng. Technologischer Fortschritt ist nicht nur eine Frage der Hardware, entscheidend ist, was mit der Hardware gemacht wird. Oder um es mit den Worten von Steve Jobs zu sagen:

 

Technologie ist nichts. Wichtig ist, dass man an die Menschen glaubt, dass sie im Grunde gut und klug sind, und wenn man ihnen Werkzeuge gibt, werden sie wunderbare Dinge mit ihnen zu tun.

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